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Bernhard Kuntzschmann, Mitbegründer und 1. Vorsitzender (1898-1924)
Am 31. Januar 1898 werden von 17 Gründungsmitgliedern die Voraussetzungen zur Gründung des „Bauvereins zur Beschaffung preiswerter Wohnungen" geschaffen.
Bereits 1899 entstehen die ersten Häuser in Kleinzschocher sowie in Sellerhausen. Der Genossenschaft wird eine Sparkasse angliedert. Mit den Spareinlagen können Bauvorhaben finanziert und Bauland gekauft werden. Um 1905 erwirbt der Bauverein allein in Schönefeld 130.000 qm Bauland Ungefähr 200 Häuser sollen dort in den nächsten 15 Jahren entstehen.
Die Räumlichkeiten der bisherigen Geschäftsstelle und Sparkasse in der Lößniger Straße 26 reichen nicht mehr. Neue Geschäftsräume werden 1908 im Stadtzentrum bezogen. 10 Jahre nach der Gründung bot der Bauverein in 70 Häusern 614 Wohnungen an. 2.590 Menschen finden ein Zuhause. Die ersten Wohnungen mit IWC werden in der Walter-Heise-Straße (heute Carpzovstraße) und der Emil-Schubert-Straße gebaut.
"An der Ausführung weiterer Neubauten ist die Vereinsver waltung seit dem Jahre 1914 durch die Erscheinungen des Kriegszustandes, als Bauverbot, Baustoff- und Arbeiter-mangel, verhindert worden."
(Aus dem Geschäftsbericht 1917).
"Wie ein böser Traum liegt die Inflation hinter uns."
(Aus dem Geschäftsbericht 1924).
Der Erste Weltkrieg und die Inflation haben das Baugeschehen bis Mitte der Zwanziger Jahre fast zum Erliegen gebracht.
Wäscherei
Ab 1925 werden in etlichen Wohnanlagen des Bauvereins Wäschereien eingerichtet. „Die erwirtschafteten Überschüsse dürfen nur zum weiteren Ausbau der Anlagen und zur Neuanschaffung weiterer Erleichterungen für die Hausfrau, wie Staubsauger, Bohnerapparate, Gardinenspanner.... genutzt werden. Dadurch besteht für alle Mitglieder die Möglichkeit, unter Verwendung geringer Kosten sich den Fortschritt der Technik im Haushalt dienstbar zu machen."
1927: Der Bauverein mit 5.505 Mitgliedern verfügt über 278 Grundstücke, 2.450 Wohnungen sowie eine Grundstücksfläche für noch mindestens 300 Häuser. Im selben Jahr beschließt eine außerordentliche Hauptversammlung eine Satzungsänderung. Der Bauverein führt das Vertretersystem ein.
Ledigenwohnheim
Noch immer fehlen vor allem kleine Wohnungen für alleinstehende oder verwitwete Mitglieder. Deshalb wird 1931 das Ledigen- und Berufstätigenheim in Connewitz errichtet. Mit Zentralheizung, Müllschlucker, Personenaufzug, Zentralwäscherei, fließend Warm- und Kaltwasser, Cafeteria und weiteren Annehmlichkeiten war der Neubau für die damalige Zeit hochmodern.
Volkswohnungen
Das „Gleichschaltungsgesetz" der Nationalsozialisten macht auch vor dem Bauverein nicht halt. Der Vorstand, der Aufsichtsrat sowie die Vertreterversammlung werden durch Beschluss des Sächsischen Arbeits- und Wohlfahrtsministeriums aufgelöst und durch nationalsozialistisch gesinnte Personen ersetzt. Die Verwaltung des Bauvereins beschließt, vornehmlich „Volkswohnungen" zu bauen. Dies sind im allgemeinen sehr kleine Wohnungen mit einer Grundfläche von 34 bis 42 qm.
Papestraße
In den 30er Jahren entwickelt sich zunächst unabhängig von der Verwaltungszentrale in den Wohnblöcken ein reges genossenschaftliches Zusammenleben. Der 1936 gegründeten „Ausschuss zur Pflege der Gemeinschaft" soll „zum Wohle der Mitglieder das Gemeinschaftsleben weiter ausbauen. Ferner werden durch diesen Ausschuss auch in Zukunft die Richtfeste, Kameradschaftsabende sowie sämtliche Feiern im nationalsozialistischen Sinne gestaltet."
Eigenheime
Der Bauverein bietet Eigenheime an. Erstmals wird die Genossenschaft nicht Eigentümer der von ihr errichteten Häuser. Er ist lediglich Träger der Erstellung der Eigenheime und Treuhänder der späteren Besitzer. „Es werden einfache und schlichte Häuser, die hygienisch usw. voll und ganz den Anforderungen der neuen Zeit entsprechen und in einem harmonischen Verhältnis zu Baukunst und Natur stehen, erstellt".
Zerstörte Häuser
Eine traurige Bilanz des zweiten Weltkrieges: 51 Häuser des Bauvereins mit 522 Wohnungen sind total zerstört, 1.851 Wohnungen schwer beschädigt. Insgesamt sind 60 Prozent des Wohnungsbestandes in Mitleidenschaft gezogen (Foto links). Nachdem der Bauverein wieder arbeitsfähig ist, hat der Wiederaufbau oberste Priorität. Bis 1949 werden 32 vollkommen unbewohnbare Wohnungen wieder hergestellt und rund 1.100 weitere Wohnungen wieder instand gesetzt.
Der Genossenschaftsgedanke lebt nach dem Krieg wieder auf und wird in vielen Wohnanlagen mit Kinderfesten, Ausflügen und gemeinsamen Feiern gepflegt.
Festumzug
Nach Beschluss des Ministerrates der DDR wird der Bauverein 1957 in eine „sozialistische Genossenschaft" umgewandelt und die Anerkennung eines Musterstatutes empfohlen. Die „verordnete" Umbildung ist Voraussetzung für die Einbeziehung der Baugenossenschaft in den Wohnungsneubau und für die Inanspruchnahme finanzieller staatlicher Förderungen.
Am 21. Februar 1959 wird die Namensänderung in „Baugenossenschaft zur Beschaffung preiswerter Wohnungen in Leipzig" beschlossen.
Unser heutiger Name entsteht: „Baugenossenschaft Leipzig".
Alte Zeitung
1962: Arbeitskräfte und Material sind rar, der Instand setzungsbedarf riesig. Die Mitglieder werden zur Selbst hilfe aufgefordert. In Material- und Reparaturstützpunkten werden neben der Ausleihe von Werkzeugen und Geräten auch Reparaturen ausgeführt. Die kostenlose Ausgabe von Baustoffen und Farben fördert viele Werterhaltungsleistungen.
Boltenhagen
1966 werden zwei Ferienheime in Boltenhagen und in Schellerhau den „aktiven Mitgliedern und den Angestellten" zur Verfügung gestellt.
1972 wird ein neues Logo als Symbol der Geborgenheit und Sicherheit der Mitglieder kreiert.
1977 wird die Baugenossenschaft in die Arbeiterwohnungs- genossenschaft Alfred Frank umgebildet. Genossenschaftliches Leben im Sozialismus bedeutet die Wahrnehmung genossenschaftlicher Rechte und Verpflichtungen. Straffe Organisation und diverse Wettbewerbe sollen dieses Anliegen unterstützen.
Zwischen 1976 und 1989 werden von der Genossenschaft 3.157 Wohnungen errichtet, davon 2.673 in Grünau.
Selnecker Straße
Der Instandsetzungsrückstau zu Beginn der 90er Jahre ist riesig. Zwischen 1991 und 1997 werden 11.241 Wohnungen in 1.290 Häusern teilsaniert. Es werden Fenster ausgetauscht, alte Kohleöfen durch moderne Heizungsanlagen ersetzt, die Elektrik erneuert, Dächer und Fassaden (inkl. Wärmedämmung) saniert. Das ist eine logistische, organisatorische und personelle Herausforderung, werden doch z.B. 1994 und 1995 zeitgleich an 150 Objekten Sanierungsmaßnahmen durchgeführt.
Die letzten Wäschereien der BGL in Gohlis und Lößnig werden 1992 stillgelegt. Die Ausstattung ist veraltet, die Mehrheit der privaten Haushalte hat sich längst mit Schwarzenberg, Foron oder Miele ausgestattet, moderne Waschsalons sind konkurrenzlos günstiger. Ein ähnliches Schicksal ereilt die genossenschaftseigenen Ferienheime. Man reist lieber mit Neckermann nach Mallorca, die Nachfrage und Auslastung der Heime sinkt. Zudem müsste für den Weiterbetrieb gehörig investiert werden.
Kinderfest
Die Mitglieder organisieren wieder Kinder- und Sommerfeste in den Wohnanlagen und werden dabei von der Bau genossenschaft personell und materiell unterstützt. Die Wohnanlage Eutritzsch ging 1993 dabei mit gutem Beispiel voran, andere Wohnanlagen sind zunächst zögerlich, werden in den folgenden Jahren ebenfalls wieder aktiv.
Gerd-Klinger-Haus
Das Berufstätigen- und Ledigenwohnheim in Connewitz wird umgebaut und im Jahr 2000 als "Gerd-Klingner-Haus",
Betreutes Wohnen der BGL eröffnet. Die BGL ist selbst Träger und Betreiber des Hauses, lange Wartelisten bestätigen das Konzept.
Neue Serviceangebote werden bereitgestellt: unter anderem
Gästewohnungen,
Hausmeisterbriefkästen,
24-stündige Erreichbarkeit. Durch Sanierung und Erweiterung der Geschäftsstelle in der Dörrienstraße, ebenfalls im Jahr 2000, wird die Arbeits- und Servicefähigkeit der Verwaltung verbessert. Im Jahr 2001 wird der BGL Nachbarschaftshilfeverein gegründet. Als
Band CITY beim 5. Jahrmarkt
Initiatorin und Gründungs mitglied schafft die BGL damit Voraussetzungen für zahllose Kommunikations- und Freizeitangebote insbesondere für ältere Menschen.
Im Jahr 2005 werden ausgewählte Wohnanlagen mit großem Instandhaltungsrückstau und hohen Leerständen veräußert. Damit schafft die BGL die notwendigen Voraussetzungen zur zügigen Entwicklung der verbleibenden Bestände. 2007 startet die BGL die Komplexsanierung
"Grüne Höfe Südvorstadt". Über 5 Millionen Euro werden in das denkmalgeschützte Quartier gegenüber dem MDR investiert.
Grüne Höfe Südvorstadt
Mit dem Rückbau von rund 540 Wohnungen im Grünauer WK8 im Jahr 2008 leistet die BGL ihren Beitrag zum Stadtumbau in Leipzig.
Die Aufwertung der Wohnungsbestände der Baugenossenschaft wird forciert. Der Anbau von Balkonen, Aufzügen sowie umfassende Sanierungsmaßnahmen lassen die Vermietungszahlen steigen.